Chronik

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Die Geschichte unseres Vereines beginnt im 19. Jahrhundert.

Am 13. Jan. 1889 wurde in Butzbach der „Wetterauer Obstbauverein“ gegründet mit dem Ziel, im gesamten damaligen Kreis Friedberg Ortsvereine zu bilden. Diese Idee rief viele Interessierte aus den benachbarten Kreisgebieten Alsfeld, Lauterbach, Büdingen, Gießen und Schotten auf den Plan, die um Beitritt zum „Wetterauer Obstbauverein“ ersuchten.

Diese Gründung fiel in eine bedeutende geschichtliche Entwicklung unseres Landes. 1861 wird Kaiser Wilhelm I. König von Preußen und ernennt 1862 Otto von Bismarck zum Ministerpräsident von Preußen.

1870/71 Deutsch­Französischer Krieg.

1875 Gründung der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) aus dem Zusammenschluss der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei und dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein. 1878 wurden unter Reichskanzler Otto von Bismarck alle sozialistischen und kommunistischen Parteien verboten, aber nicht die SPD. 1883/1889 gründet Reichskanzler Otto von Bismarck die Sozialversicherung. 1888 ist das Dreikaiserjahr: Wilhelm I. und sein Nachfolger Friedrich III. sterben im gleichen Jahr. Der 29 Jahre alte Wilhelm II. wird Kaiser. 1890 entlässt Kaiser Wilhelm II. Reichskanzler Otto von Bismarck und beginnt seine imperialistische Politik.

1914/18 der 1.Weltkrieg.

In dieser Gründerzeit sah die Welt noch etwas anders aus als heute. Damals arbeiteten rund 40% der Bevölkerung in der Landwirtschaft, im Jahre 2010 waren es in der Bundesrepublik nur noch ca. 2,2% der Bevölkerung. Die Landwirtschaft hatte einen großen wirtschaftlichen und politischen Stellenwert. Das Handwerk und vor allem die Industrie gewann von Jahr zu Jahr zunehmend an Bedeutung. Die erste industrielle Revolution hatte begonnen! Deutschland stand am Anfang einer Periode wirtschaftlichen Aufschwungs. Die Ernährung erfolgte überwiegend aus der heimischen Erzeugung. Die Erzeugnisse aus fernen Ländern galten als Luxusgüter und waren für die breite Masse der Bevölkerung unerschwinglich.

Bananen und Apfelsinen gab es »wenn überhaupt« nur zu Festtagen. Tomaten hatten in den Gärten noch Seltenheitswert! Langwierige Transportverhältnisse standen bei leicht verderblichen Erzeugnissen einer schnellen und weiten Marktbelieferung im Wege. Zudem fehlte eine durchorganisierte Marktstruktur.

Die selbsterzeugten Nahrungsgüter hatten allerdings den Vorteil der Frische. Sie waren nicht standardisiert und schon gar nicht „kosmetisch“ aufbereitet. Die Luft war noch überwiegend sauber, Begriffe wie Kohlenmonoxid, Stickoxide, saurer Regen waren unbekannt. Die Menschen konnten noch unbeschadet in Bächen und Flüssen baden und Quellwasser trinken.

Im Hinblick auf diese geschichtliche und wirtschaftlichen Lage der damaligen Zeit ist die Gründung der Obst­ und Gartenbauvereine zu sehen.

Bereits im Jahre 1889 trat Baumwärter Johannes Scheld aus Großen ­Linden dem gegründeten „Wetterauer Obstbauverein“ als Einzelmitglied bei. Im Jahr 1890 besuchte der Obstbautechniker des „Wetterauer Obstbauverein“, Herr Metz, Großen­Linden zu einem Gemarkungsrundgang.

Mit nur einem Mitglied ist natürlich noch keine Vereinsfähigkeit gegeben. Diese Möglichkeit ergab sich dann aber im September 1890, wo neben dem Baumwart Johannes Scheld noch folgende Herren aus Großen­Linden sich zur „Ortsgruppe Großen­Linden des Wetterauer Obstbauvereins, Sitz Friedberg“, zusammenschlossen:

Ludwig Lang II., Georg Luh V., Ludwig Magnus (Spengler), Georg Menges IX., Georg Müller IV ., Philipp Schättler (Schreiner), Wilhelm Wagner, Heinrich Weiß, somit sind diese Herren mit dem Baumwart Johannes Scheld die Gründungsmitglieder unseresVereines.

Bereits im Februar 1891 ist Karl Keßler eingetreten und im Oktober 1892 folgten Ludwig Keßler IV., Philipp Keßler VI., Balthasar Schäfer, Philipp Schaum IV., Heinrich Velten III., so dass bereits nach 2 Jahren eine Ortsgruppe mit der Stärke von 15 Mitglieder entstand. Im Jahre 1891 erfolgte die Ausdehnung des Vereins „Wetterauer Obstbauverein“ auf die ganze Provinz Oberhessen, der Name „Wetterauer Obstbauverein“ wurde geändert in „Oberhessischer Obstbauverein“. Alle Obst­ und Gartenbauvereine in Oberhessen gehörten der Zentrale in Friedberg an. Sie wurden von hier aus fachlich betreut. Der Jahresbeitrag belief sich auf eine Reichsmark. Für eine Gebühr von einer halben Reichsmark im Jahr wurde allen Mitgliedern eine sehr informative Fachzeitschrift über die Ortsgruppen zugestellt.

In der „Großherzoglichen Obstbauschule“ in Friedberg und im dortigen „Pomologischen Garten“ werden neben den alljährlich stattfindenden Baumwartlehrgängen praktische und theoretische Kurse der verschiedensten Art angeboten.

Welche Bedeutung dem Verein zu der damaliger Zeit beigemessen wurde, wird daran deutlich, dass der jeweilige Bürgermeister bis zum Jahre 1935 auch den Vorsitz inne hatte. Dies waren von 1905 bis 1917 Bürgermeister Johannes Leun VIII., der sich um den Verein in Großen­Linden große Verdienste erworben hat, und Bürgermeister Ludwig Lang II. von 1917 bis 1935.

Seit der Gründung bis Anfang der 30er Jahre widmeten sich die Verantwortlichen ausschließlich der Förderung des Obstanbaues. Anfang 1930 kam dann die Sparte „allgemeiner Gartenbau“ hinzu. Folgerichtig wurde der Verein in der Vorstandssitzung vom 02. April 1932 in „Obst­ und Gartenbauverein Großen­Linden“ umbenannt.

Bereits im Okt. 1932 nahm der 1. Vorsitzende Bürgermeister Ludwig Lang II. an der Hauptversammlung des Landesverbandes der hessischen Obst­ u. Gartenbauvereine in Ingelheim teil.

In den 30er Jahren wuchsen in der Gemarkung Großen­Linden ca. 2.000 Stück Obstbäume. Diese Anzahl von Obstbäumen ist schon gewaltig und zeigt, dass dem Obst für die Ernährung der Allgemeinheit ein hoher Stellenwert eingeräumt wurde. Da Obst ja weiter verarbeitet werden konnte z. B. Einkochen von Äpfel­ und Birnenstücke, Zwetschgenhonig, Marmelade, Gelee, Äpfel eingelagert im Keller und als Trockenobst haltbar gemacht, somit war für den Winter gut vorgesorgt.

Bereits in diesen frühen Jahren ist das allgemeine Interesse der Bevölkerung an dem Obstbau so groß, dass die Tageszeitungen diese Meldungen auf der Titelseite publizierten.

Bei der im Rahmen der landwirtschaftlichen Ausstellung in Gießen vom 19. – 22. Sept. 1895 stattgefundenen Obstbauausstellung erhielten folgende Teilnehmer aus Großen­Linden ihre Diplome.

Für den besten Obstbranntwein: J. Pirr & Co., den besten Obsthonig / das schönste Obstgelee: Bürgermeister Johannes Leun VIII.

Bürgermeister Johannes Leun VIII. hatte einer der drei Töchter von J. Pirr geheiratet. Dies ist die Verbindung zum Unternehmen J. Pirr & Co. Die damals stattgefundenen Vorstandssitzungen unter der Leitung von Bürgermeister Johannes Leun VIII. fanden in der „Bürgermeisterei“ die sich über den Geschäftsräumen von J. Pirr & Co. befand.

„Unkraut nennt man die Pflanzen, deren Vorzüge noch nicht erkannt wurden. “ »RalphWaldo Emerson«

Nachstehend ein Auszug aus den Lehrgängen und den Teilnehmer und Teilnehmerinnen, die sich Anfang des 20. Jahrhunderts sich weiterbildeten:

15. ­ 17. Juli 1913 Beerenobst Verwertungslehrgang Frau L. Steinnagel, Großen­Linden. Alle Achtung: der erste Teilnehmer bei einem Lehrgang war eine Frau! Nicht nur Frau Steinnagel, sondern auch weitere weibliche Teilnehmerinnen haben sich zu diesen Lehrgängen angemeldet.

1918 10wöchiger Baumwartlehrgang mit sehr gutem Erfolg teilgenommen: Heinrich Stoll geb. 20.03.1902

1924 10wöchiger Baumwartlehrgang mit sehr gutem Erfolg teilgenommen: Philipp Schupp, geb. 14.04.1878, Rangiermeister i. R., Benotungen bei diesem Lehrgang: Betragen, Fleiß, Kenntnisse und Fertigungen alle mit Note 1 – und das mit 46 Jahren!

25. ­ 30.April 1927 Teil 1 und vom 01. ­ 06. Aug. 1927 Teil 2 Dr. Lutz »Landwirtschaftsassessor«. Dieser Lehrgang wurde alljährlich für „Geistliche, Lehrer und sonstige Freunde des Obstbaues“ durchgeführt.

15. ­ 17. Juli 1929 Beerenobst Verwertungslehrgang Frl. Nelly Dern, Frl. Maria Gelchsheimer, Frl. LuiseWetz (oderWirtz), Frl. LuiseWeiß, Frl.Anna (Nachnahme nicht mehr bekannt)

03. ­ 05. September 1929 Obst­ und Gemüseverwertungslehrgang Frl. Nelly Dern, Frl. Maria Gelchsheimer, Frl. Luise Wetz (oder Wirtz), Frl. Luise Weiß, Frl.Anna (Nachnahme nicht mehr bekannt)

1931 10wöchiger Baumwartlehrgang mit sehr gutem Erfolg teilgenommen: Ludwig Hankel, geb. 12.01.1898

1931 und 1933 jeweils 10wöchiger Baumwartlehrgang mit sehr gutem Erfolg teilgenommen haben Ludwig Hankel, geb. 12.01.1898 und Hans George, geb. 21.08.1896 und Walter Luh, geb. 02.04.1914

1949 10wöchiger Baumwartlehrgang mit sehr gutem Erfolg teilgenommen Wilhelm Schorge, wohnhaft im Steinweg 24

Etwa um 1920 trennen sich die Kreisgebiete Alsfeld, Lauterbach, Büdingen, Schotten und Gießen vom „Oberhessischen Obstbauverein“ und übernehmen die fachliche Betreuung der Ortsvereine in eigener Regie.

„Willst Du für eine Stunde glücklich sein, so betrinke Dich. Willst Du für drei Tage glücklich sein, so heirate. Willst Du für acht Tage glücklich sein, so schlachte ein Schwein und gib ein Festessen. Willst Du aber ein Leben lang glücklich sein, so schaffe Dir einen Garten.“ »JapanischeWeisheit«

1932 wurde von Dr. Lutz, Landw.­Studienrat aus Gießen, ein Rundgang mit dem Obstbauminspektor Eucker aus Gießen durchgeführt. Der Rundgang begann am 11. Sept. 1932 nachmittags um 2¾ Uhr am Sportplatz an der Bismarckstraße und führte durch die hiesigen Baumstücke. Anschließend war ein Vortrag mit Aussprache im Gasthaus Philipp Schaum. Alle Mitglieder waren eingeladen.

1932/1933 Der Reichslandwirtschaftsminister bezuschusst das Pflanzen von Obstbäumen in Höhe von 25 bis 30 v. H. vom Anschaffungspreis.

Auch diese Zeit gehört zu unserer Vereinsgeschichte: Aus dem Protokoll für die Jahreshauptversammlung am 06. Jan. 1934 wird die Gleich-schaltung des Obst­ u. Gartenbauvereines Großen­Linden durch Landw.­Studienrat Dr. Lutz vorgenommen.

Um nun für die Neuorganisation den Weg frei zu machen, erklärte der Gesamtvorstand seinen freiwilligen Rücktritt. Der landw. Ortsfachberater Wilhelm Magnus nahm alsdann im Auftrag der Bauernkammer die Gleichschaltung vor und bestimmte als ersten Führer des Vereins Landw.­Studienrat Dr. Lutz, als stellv. Führer Bürgermeister Ludwig Lang II., H. George als Rechner, Heinrich Luh IV. und Karl Faber (Gemeinderechner) als Beisitzer.

Landw.­Studienrat Dr. Lutz dankte für das entgegengebrachte Vertrauen und erklärte, sein Amt im Sinn und Geiste des damaligen politischen Systems auszuüben.

1941 wurde dann bei der durchgeführten Vorstandssitzung in Schaums Saal nach der Totenehrung zuerst der neue Vorstand bestimmt. Es wurde beschlossen, dass Nistkästen, Spatzenfallen sowie Wühlmaus-fallen beschafft werden sollen. Diese Anschaffung wird von der Gemeinde bezuschusst.

Bei der Vorstandssitzung in 1942 wurde beschlossen für die Bei-trags­Erhebung Quittungsblocks bei der Firma Rudi Meng aus Großen­Linden zu bestellen. In der Hauptversammlung sollen Lose verteilt werden und Nichtmitglieder können ebenfalls teilnehmen. Die Gewinne der Lose von Bäumen und Sträuchern sollen von dem Kreisverband zur Verfügung gestellt werden.

Zu der am 25. Febr. 1942 stattfindenden Hauptversammlung war Dipl.­Gartenbau­Ing. Rentsch aus Friedberg eingeladen und referierte über Birnen­ und Haselbäumen, sowie über Brombeer­ und Johannes-beersträucher. Weiter über Buschbäume, die Art der Anpflanzung sowie über Details, wie welche Früchte zu verarbeiten sind. Auch wurde laut dem Protokoll bei diesem Vortrag das erste Mal vom Gemüseanbau berichtet.

1942 unternahm ein Teil des Vorstandes eine Besichtigungsfahrt nach Friedberg zu den dort angelegten Gärten.

1942/1943 versuchte man auch andere Bevölkerungsteile für den Obst­ und Gartenbau zu interessieren. So wollte man auch die Hausfrauen und junge Mädchen, als auch die Milchbauern zu den Veranstaltungen einladen. Diese Einladungen sollen in den Schaukästen ausgehängt werden. Ortsgruppenleiter Dr. Römer war ebenfalls erschienen.

1943 in der Jahreshauptversammlung hielt Frl. Horta, Gießen, einen Vortrag mit Lichtbildern. Die Verlosung war ein voller Erfolg und die Mitglieder waren von den Preisen der Verlosung entzückt. Der Ortsgruppenleiter Dr. Römer sprach noch einige kernige Worte und forderte die Anwesenden auf, dem Ruf des Führers zu folgen und jeder solle sich für die Wichtigkeit des Krieges einsetzen. Die Versammlung schloss mit einem 3fachen „Sieg Heil“ auf den Führer.

In diesen Jahren waren unter anderem auch die Schädlinge für den Obstbau ein großes Problem und die Bekämpfung wurde immer wieder bei den Versammlungen angesprochen.

In der Vorstandssitzung vom 18. März 1943 hielten Herr Hacheneister und Herr Thal, Leipzig, C1, einen Vortrag hierüber. Ebenfalls wurde das Buch von Johannes Hartmann, Leipzig „Die tierischen Schädlinge des Kernobstes“ mit Farbtafeln und Abbildungen vorgestellt, das sofort von 20 Mitgliedern bestellt wurde. Ebenfalls in diesen Jahren wurden Hilfsflurschützen eingesetzt. Ihre Tätigkeit sollte nur in der Zeit der Obsternte erfolgen und die Berichte an die Bürgermeisterei weitergeleitet werden. Es waren dies: Heinrich Stoll, Ludwig Dern, Heinrich Leun III., Julius Braun, Wilhelm Hofmann, Johannes Bruder, Johannes Cyriax, Ludwig Luh X., Heinrich Größer und Ph. Naumann.

Zwischen 1943 und 1947 ruhte die Vereinstätigkeit.

1947 wurde die erste Versammlung nach dem 2. Weltkrieg auf Veran-lassung des Landratsamtes Gießen durch den Bürgermeister Philipp Stengel in Schaums Saal einberufen.

Als Vorstand wurde gewählt: 1.Vorsitzender Bürgermeister Philipp Stenge, 2.Vorsitzender Albert Hankel, Schriftführer Heinrich Wagner, Rechner Julius Braun, Beisitzer Otto Bopf, Beisitzer Albert Wahl, Beisitzer Ludwig Luh X.

Es wurde beschlossen, den Beitrag für 1946 rückwirkend zu erheben und wieder Preise für die 1. ordentliche Versammlung zu beschaffen. Bürgermeister Stengel legte den Zweck und die Ziele des Vereines den erschienenen Mitgliedern ans Herz und übergab das Wort Heinrich Stoll.

Die 1. Generalversammlung fand am 21. Jan. 1948 statt.

Der Vorstand wurde neu gewählt und Heinrich Stoll wurde 1. Vorsitzender.

Nach dem 2. Weltkrieg war gezwungenermaßen wieder die Förderung der Selbstversorgung vordringliches Vereinsziel. Gemeinsame Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen wurden durchgeführt. Obstausstellungen (die erste nach dem 2. Weltkrieg am 26. Sept. 1948 im Schaums Saal) organisiert und Pflanzmaterial wurde beschafft. Ebenso wurden für die Düngungen bei den verschiedenen Pflanzenarten Tipps und Hinweise gegeben. Referate wurden gehalten z. B. von Obstbauingenieur Schäfer aus Lich. Ebenso wurden Lichtbildervorträge abgehalten.

Die Generalversammlung für 1949 fiel zur Zufriedenheit aller aus, jedoch brachte die Tombola nicht den gewünschten Erfolg, wie der erste Nachkriegsrechner Julius Braun ausführte. 74 Gegenstände fanden keine Gewinner. Ein Teil wurde für den Anschaffungswert verkauft und der Rest wurde bei der Vorstandssitzung angeboten.

Bei der Vorstandssitzung am 07. Okt. 1950 beschloss man, keine Verlosung mehr durchzuführen. Das dafür aufgewendete Geld soll für die Anschaffung von Spritzgeräten verwendet werden, da sich die Schädlinge doch sehr vermehrt haben.

Der Lichtbildervortrag vom 14. Nov. 1950 war von besonders vielen Frauen besucht. Die Referentin Frl. Horta berichtet hier besonders über den Gartenbau und wie die Erträge gesteigert werden können.

Im Jahr 1951 beschloss man bei der Vorstandssitzung den Vorstand jährlich neu zu wählen und auch zu verkleinern.

In den 1950er Jahren war Kreisobstbau-Oberinspektor Schäfer regelmäßiger Gast bei den Generalversammlungen und referierte über verschiedene Themen z. T. mit Lichtbildervorträgen. Der größte Anteil hatte die Schädlingsbekämpfung in jeglicher Form, von der Insektenvernichtung bis zur Pilzerkrankung. Teilweise wurden auch Filme der Firmen BASF und HOECHSTER Farbwerke gezeigt. In diesen Jahren wurde sehr viel mit Spritzmitteln gearbeitet.

„Der Garten sei zur Lust, Auferbauung, Erquickung der Sinne und nicht zum Aufenthalt der Eitelkeit, welche die Weibsbilder so hoch ästimieren“ »Abraham a Santa Clara (1644 – 1709)«

1956 entschied man sich im Vorstand dafür, dass bei den Generalversammlungen jedem anwesenden Mitglied, und auch deren Ehegatten, je 2 Biermarken ausgegeben werden.

Die Reise zur Bundesgartenschau in Kassel musste kurzfristig abgesagt werden, da die Mitglieder trotz ihrer Zusage nicht mehr bereit waren, an der Reise teilzunehmen. Dies war bis dahin erstmalig der Fall gewesen.

1960 einigte man sich darauf den Vorstand auf drei Jahre zu wählen. Anfang der 1960er Jahre gehörte der Obst­ und Gartenbauverein zu den aktivsten Ortsvereinen in Großen­Linden.

In diesen Jahren hat man sich auch verstärkt mit dem Gartenbau beschäftigt und auch in dieser Richtung wurden dann auch die Vorträge abgehalten. An diesen Vorträgen nahmen in der Regel mehr Frauen als Männer teil. Ebenfalls in diesen Jahren wurde über den Unterschied zwischen Kunst­ und Humusdünger sowie über Torfdüngung besprochen.

Steigender Wohlstand, Massenproduktion und Billigangebote von Obst und Gemüse ließen das Interesse am Anbau im eigenen Garten in den Folgejahren mehr und mehr zurückgehen. Erst die allmählich sich wieder durchsetzende Erkenntnis: „Obst und Gemüse frisch aus eigenem Garten, da weiß man was man hat“ der immer bedeutungsvoller werdende Umweltschutzgedanke und der hohe Freizeitwert der dem Gartenhobby beizumessen ist, bewirkten bei den Gartenbauvereinen wieder einen deutlichen Aufwärtstrend. Hiervon profitierte auch der Obst­ und Gartenbauverein GroßenLinden.

Von 1980 bis 1995 ist die Zahl der Mitglieder von rund 140 auf 548 Personen angewachsen.

In diesen Jahren war die Jugend schon ein Thema, das heißt, ihr Interesse für die Angelegenheiten des Obst­ und Gartenbauvereines sollte geweckt werden. Die Sorge um den Nachwuchs hatte nicht nur unser Verein, sondern es war kreisweit die gleiche Thematik in den Vereinen vorhanden.

Wie aus den Protokollen der Vorstandssitzungen und Generalversammlungen hervorgeht, wurde bereits in den 70er Jahren verstärkt auf Umweltschutz geachtet und viele praktische Ratschläge gegeben. Immer wieder wurde auf Angebote zur Pflege der Pflanzen und Einsetzen von Düngemittel und passenden Geräten hingewiesen, ebenso die Anwendungen zur Schädlingsbekämpfung. Es ist die Zeit, in der auch bei jeder Veranstaltung Dia­Vorträge von Sachkundigen gehalten wurden. Diese Vorträge fanden großes Interesse was die stattliche Besucherzahl zeigte.

In diesen Jahren stellte man fest, dass überall sogenannte wilde Müllkippen entstanden, die allen ein Dorn im Auge waren.

Die 80er Jahre waren geprägt von intensiver Vereinsarbeit, angefangen von Aktivitäten der jährlich stattfindenden Ausflügen, ob als Mehrtagesfahrt, Tagesfahrt und vor allen Dingen die Besuche der Bundes­ und Landesgartenschauen. In den 80er und 90er Jahre wurden für die Mitgliedern viele Lehrgänge abgehalten, die teilweise sehr gut besucht waren: z. B. Steckkurse, mehrtätige Baumwartschulungen, Veredelungs­ und Schnittlehrgänge. Analysen zu Bodenproben wurden angeboten.

1981 war es bei der Jahreshauptversammlung nicht gelungen, einen1. Vorsitzenden zu finden, sodass man erstmalig in der Vereinsgeschichte eine außerordentliche Generalversammlung anberaumen musste, in der dann ein 1. Vorsitzender gefunden wird oder aber die Vereinsauflösung erfolgt. Der Bürgermeister der Stadt Linden, Dr. Ulrich Lenz, fragte dann Alfons Jäschke, ob er nicht den Vorsitz des Obst­ und Garten-bauvereines übernehmen wolle. Alfons Jäschke, Inhaber der damaligen Lückebach­Gärtnerei, stellte sich zur Wahl und wurde gewählt, er übte das Amt von 1982 bis 1990 aus.

1982 wurden zum Verleihen an die Mitglieder Vertikutierer, Düngelanzen, Gartenfräse und Gartenspritze angeschafft.

Es war an der Zeit, dass für den Verein eine Satzung erstellt werden sollte. Das Erstellen einer Satzung hat eine längere Zeit in Anspruch genommen, da sehr sorgfältig alle Absätze ausgearbeitet sein müssen, damit die Satzung vom Amtsgericht anerkannt wird.

1983 hatte man die 1. Satzung entworfen, die dann von der Generalversammlung 1984 beschlossen wurde. Bereits hier wurde in der Satzung verankert, dass der Vorstand für drei Jahre zu wählen ist. Der Verein hatte zu diesem Zeitpunkt 168 Mitglieder. Ebenso wurde in diesem Jahr die Gemeinnützigkeit vom Finanzamt Gießen nach mehreren Anläufen anerkannt.

1984 wurde eine mitgliedsoffene Vorstandssitzung abgehalten. Die Gartengespräche fanden auf dem Grundstück von Hugo Braun „In der Lach“ statt. Die Familie Braun war, bzw. ist mit drei Generationen aktiv im Verein gewesen, Julius Braun als Rechner, dann Hugo Braun als aktives Mitglied und zuletzt Horst Braun als langjähriger Schriftführer und Vorsitzender.

Schon 1984 stellte sich auch der Obst­ und Gartenbauverein verstärkt den Herausforderungen des Umwelt­ und Naturschutzes.

Auf Anregung unserer Stadt Linden, (Zusammenschluss durch die Gebietsreform in Hessen von Großen­Linden und Leihgestern am 01. Januar 1977) hier Bürgermeister Dr. Ulrich Lenz, wurde die Idee einer Kompostierungsanlage geboren. Die Anregung, den Bauhof der Stadt Linden beim Deponiedienst zu unterstützen wurde von unserem Verein begrüßt. Der Zuspruch der Lindener Bevölkerung war zeitweise so groß, dass sich vor der Deponieeinfahrt lange Autoschlangen bildeten.

In den ersten 10 Jahren hatte unsere Verein den Bauhof der Stadt Linden auf der Deponie alleine unterstützt, d. h., dass Vereinsmitglieder während der Öffnungszeiten ehrenamtlich im Einsatz waren. Dann wurde der Deponiedienst mit dem Obst­ und Gartenbauverein Leihgestern geteilt. So sind beispielsweise seit Bestehen der Gartenabfalldeponie der Stadt Linden von den Mitgliedern der Obst­ und Gartenbauvereine dort über 420 unentgeltliche Arbeitsstunden geleistet worden.

1985 wurde uns auch die Gemeinnützigkeit vom Landesverband anerkannt. Die anderen Ortsvereine mussten danach noch einmal aktiv werden. Anton F. Metzen hatte sich in dieser Angelegenheit sehr für unseren Verein eingesetzt. Bereits 1983 wurde festgestellt, dass die Hälfte der Mitglieder über 60 Jahre alt sind und man überlegte wieder, wie man den Verein für jüngere Mitglieder attraktiver gestalten kann. Der Verein war aktiv an der Anlage eines Schulgartens beteiligt, der noch in den Kinderschuhen steckte, aber der Anfang war gemacht. Auch beim Ausrichten von Festen war der Obst­ und Gartenbauverein mit Elan dabei. Hier sind vor allen Dingen die Erntefeste zu erwähnen. Diese Ernte­ und Blütenfeste wurden mit Musik und Unterhaltungs-programmpunkten wie z. B. Gedichte, Gewinnspiele, humoristischen Einlagen und Bühnenspielen begangen. Es wurden Veranstaltungen von befreundeten Vereinen in der näheren und fernen Umgebung besucht, um Anregungen für unseren eigenen Verein zu holen.

Daneben sind 80 Vereinsmitglieder an einem Forschungsauftrag der Justus­Liebig­Universität Gießen über Hauskompostierung beteiligt. Unterweisung im fachgerechten Obstbaumschnitt, Förderung der Anpflanzung hochstämmiger Obstbäume, Empfehlungen zur Verringerung oder Absetzung des Einsatzes von Unkraut­ und Schädlingsbekämpfungsmittel, Fachvorträge oder Organisierung von Bodenuntersuchungen zur Vermeidung unkontrollierter Düngung sind weitere Beiträge zur Förderung eines umweltbewussten Obst-und Gartenbaues.

1986 war ein Jahr, das weltweit in die Geschichte eingeht. Obwohl schon 1957 in Sellafield (Nordwestengland) ein Atomreaktor durch einen Brand zerstört wurde, wurden und werden Atom­Reaktoren weiter gebaut. Nun explodierte 1986 der Atom­Reaktor von Tschernobyl (Weiß­Rußland). Dieser GAU, der „größte anzunehmende Unfall“, ist der schlimmste denkbare Störfall beim Betrieb eines Atomkraftwerkes, von dem man erst einige Tage später erfahren hat. Hier war man sich noch unsicher, wie sich diese Explosion auf die Nahrungsmittelkette auswirkt. Vom Amt für Landwirtschaft und Landentwicklung wurde ein Faltblatt veröffentlicht, in dem Hinweise gegeben wurden, wie der Garten bearbeitet werden sollte. Wie wir heute wissen waren die Auswirkungen und Spätfolgen noch nicht so weit bekannt, wie wir dies durch den heutigen Wissensstand und die Verbreitung über die Medien wissen.

„Als erstes hat Gott der Allmächtige einen Garten angelegt“ »Sir Francis vonVerulam Bacon (1561 – 1626)«

Nachdem nun 2011 in Fukushima (Japan) bei Atom­Reaktoren durch ein Erdbeben und den darauffolgenden Tsunami die Kernschmelze mit unvorstellbaren Folgen erfolgt ist, wurde in Deutschland der Ausstieg aus der Atom­Industrie beschlossen.

1987 wird unser Verein in der Ausgabe Nr. 4 der landesweit vertriebenen Fachzeitschrift „Der Hessische Obst­ und Gartenbauverein“ wegen seiner Beteiligung am Betrieb der städtischen Gartenabfalldeponie ein großes Lob zuteil. Unter der Rubrik „Nachahmenswerte Beispiele“ heißt es wörtlich: „Aufgrund der in den einzelnen Bundesländern anstehenden neuen Abfallgesetze, durch die die Gemeinden zur Kompostierung organischer Abfälle verpflichtet werden, erscheint uns das Bestreben solcher auf Gemeindeebene errichteten Kompostierungsanlagen durch die örtlichen Gartenbauvereine als ein wichtiger Beitrag zum Umweltschutz. Daher kann der Obst­ und Gartenbauverein Großen­ Linden nicht genügend hervorgehoben werden. „Die Redaktion“. Wir können auf dieses Lob in einer Fachzeitschrift sehr stolz sein.

Wilhelm Luh, der 20 Jahre 2. Vorsitzender des Vereins war, bat 1987 im Alter von 83 Jahren um Entbindung von seinem Amt. Er hatte damals die Vorstandsarbeit übernommen, als es darum ging, den Verein weiter zu führen oder den Verein aufzulösen. Diese Entscheidung wurde vom Vorstand akzeptiert. Wilhelm Luh wurde später zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Auch die Anlage eines Lehrgartens mit Anpflanzung schädlings­ und krankheitsunempfindlicher, altbewährter Obstsorten unterstreicht dieses Bemühen. Bei dem heutigen weiteren Angebot, das der Verein seinen Mitgliedern zu bieten hat, ist u. a. der unentgeltliche Geräteverleih, verbilligte Einkäufe bei Fachfirmen, jederzeitige Beratung in Fachfragen, einem sehr niedrigen Beitrag und der in der bisherigen Vereins-geschichte gezeigten Flexibilität ist der Vorstand gewiss, dass der Obst­ und Gartenbauverein Großen­Linden auch in Zukunft im örtlichen Leben eine bedeutende Rolle spielen wird.

1988 Beteiligung beim Umzug anlässlich des 100jährigen Jubiläums „Burschenschaft Einigkeit“ Großen­Linden

1995 wurde auf bargeldlosen Einzug der Mitgliedsbeiträge umgestellt.

1996 wurde eine Mitgliederbefragung durchgeführt. Hier wurde gefragt, welche Anforderungen und Wünsche man an den Verein hat und wie man mit der Arbeit des Vorstandes zufrieden ist. Die Fragebögen kamen sehr zahlreich zurück und dem Vorstand wurde eine gute Vereinsarbeit bescheinigt.

2014 wurde bei der Generalversammlung die Stadt Linden als ältestes Mitglied für 80 Jahre Zugehörigkeit geehrt. Man hatte bei Recherchen festgestellt, dass im Jahre 1933 die Stadt Großen­Linden als Mitglied eingetragen worden war und die Stadt Linden als Nachfolgerin auch noch heute ihren Vereinsbeitrag bezahlt. Für diese lange Zeit der Zugehörigkeit dankte man der Stadt Linden mit der Pflanzung eines Speierling­Apfelbaumes, der gemeinsam mit dem Bürgermeister Jörg König, Vertretern der Stadt und des Vereines gepflanzt wurde. Der Stadt Linden wurde mit dieser Pflanzung auch dafür gedankt, dass sie für die Belange der Vereine immer ein offenes Ohr hat.

Änderungen vom Vereinsname

Sept. 1890 „Ortsgruppe Großen-Linden des Wetterauer Obstbauvereins, Sitz Friedberg“,

02. April 1932 Der Verein wurde in der Vorstandssitzung in „Obst- und Gartenbauverein Großen-Linden“ umbenannt.

12. März 1984 wurde dann der Vereinsname auf Grund seiner immer vielfältigeren Aufgaben folgerichtig auf den Namen „Verein zur Förderung des Obstbaues, der Garten- und der Landschaftspflege Großen-Linden e.V.“ ergänzt.

 

 

ogv fahneVereinslogo und Vereinsfahne

logo ogv 121982 machte man sich wieder einmal Gedanken, das Logo des Vereines zu ändern. Die Vorschläge wurden wieder verworfen.

1992 wurde unsere Vereinsfahne angeschafft.

1994 stellte man fest, dass das Logo unseres Vereines auch von anderen Vereinen benutzt wird. Bei Recherchen wurde festgestellt, dass dieses Logo nicht geschützt ist, sondern von jedem Verein benutzt werden kann.

1996 bemühte man sich wieder um ein eigenes Vereinslogo, man hat jedoch das alte Logo wegen des  Wiedererkennungswertes beibehalten. 1999 wurde die Gruppe Heckenrosen gegründet. Diese Gruppe hat sich ein  eigenes Logo zugelegt.

 2012 hat man sich nun auf das mehrfarbige Vereinslogo geeinigt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Geschäftsstelle

Verein für Obstbau, Garten und Landschaftspflege
Großen-Linden e.V.

Vorsitzender Hans-Dieter Leschhorn
Bonhoeffer Str. 7
35440 Linden

Tel.: 06403 71617